Ohne ihn kommt kein Zug

14.09.2018 12:18

Fehler dürfen in manchen Berufen nicht vorkommen, Menschenleben könnten betroffen sein: Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bundesbahn

Im Relaisstellwerk wird der gesamte zu überwachende Bahnverkehr gesteuert. Noch darf Nico nur unter Anleitung auf die Knöpfe drücken. Bild: sbü

Waldmünchen/Weiden. (sbü) Der Ort an dem sich der 19-jährige Nico Rügheimer aus Waldmünchen am wohlsten fühlt liegt 30 Meter hoch über den Gleisen eines Bahnhofs. Dort befindet sich so etwas wie eine Kommandozentrale, genau genommen das sogenannte Stellwerk.

Fahrdienstleiter steuern von dort aus nicht nur den darunter liegenden Bahnhofsbetrieb, sondern den gesamte regionalen Bahnverkehr. Wir haben uns mit Nico auf dem Bahnhofs-Tower in Weiden verabredet.

Es könnte ein Arbeitsplatz sein, an dem Nico am Ende seiner Ausbildung arbeiten wird. Noch muss er dort aber zuschauen und lernen, wie Fahrdienstleiter Thomas Rahn die Systeme steuert.

Man sieht es Nico an den Augen an, in dieser Technikwelt schlägt sein Herz besonders gerne. Aber noch darf er Signale und Weichen nicht alleine steuern. Doch in gut einem Jahr wird es soweit sein. Dann hat Nico seine Ausbildung zum „Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Fahrweg“ abgeschlossen.

Alternative?
Eigentlich nicht!

Es war nach der mittleren Reife Nicos vorrangigster und eigentlich einziger Berufswunsch. In einem einwöchigen Praktikum im Stellwerk Cham hatte sich der Berufswunsch nochmals verfestigt. Nur ersatzweise hatte er sich Nico auch noch als Verfahrensmechaniker beworben.

Doch die Einstellungshürden bei der Bahn konnte er sehr leicht überwinden und hat sich bei den Einstellungstests gegenüber vielen anderen Bewerbern durchgesetzt. Schließlich herrscht bei der Bundesbahn keinerlei Bewerbermangel.

„Die Arbeit stellt besondere Anforderungen an die mentale und psychophysische Leistungsfähigkeit“ hieß es in der Ausschreibung.

Außerdem darf ein Bewerber keine Rot-Grün-Blindheit haben. Für Nico alles kein Problem, er sieht Hobby und Beruf als Einheit. „Ich war schon immer eisenbahnbegeistert“, sagt er von sich. Als Kind spielte er mit einer elektrischen Eisenbahn und ist heute Mitglied in einem Modelleisenbahnverein.

Hier lernt Nico Signale und Weichen per Computertechnik zu bedienen. Bild: sbü

Faszination Bahn

Auf die Frage „Was fasziniert Sie an diesem Beruf?“ folgt die Antwort ohne langes Nachdenken. „Der Zug fährt in den Bahnhof, ich selbst habe das Signal dafür gegeben“. Nico schwärmt auch vom „Zusammenspiel vieler Beteiligter“, das sich in einem Stellwerk vollzieht.

Seiner großen Verantwortung ist er sich bewusst, denn „unter Umständen können an einem großen Bahnhof mehrere tausend Leute betroffen sein“.
In drei wesentlichen Bereichen läuft Nicos Ausbildung ab: Es sind der Praxiseinsatz im Stellwerk Cham, die Berufsschulabschnitte am Schulstandort Nürnberg und das Training im DB-Trainingszentrum ebenfalls in Nürnberg.

„Ich bin viel auf Achse“ gibt der Waldmünchner zu. Doch die Ausbildungsvergütung bei der DB reicht für einen Kleinwagen und die Möglichkeit zum zeitweiligen täglichen Pendeln an den Wohnort.

„Worauf kommt es bei der Tätigkeit des Fahrdienstleiters am meisten an?“, fragen wir Annemarie Uhr-Hausmann, Arbeitsgebietsleiterin im DB-Regionalnetz Oberpfalz. Die Antwort lautete „das Stellwerk als Werkzeug für Weichen und Signale benutzen um Züge sicher fahren zu lassen und Pünktlichkeit herstellen“.

Gesteuert werden die Züge aller Bahnunternehmen. Uhr-Hausmann spricht auch von einer „Riesen-Verantwortung“ des Fahrdienstleiters. Ohne Einfahrtsignalfreigabe kann kein Zug in den Bahnhof fahren.

Der Fahrdienstleiter koordiniert, dass ein Zug auf dem richtigen Gleis und in die richtige Richtung fährt und kümmert sich um die Einhaltung des Fahrplans. Zwischen zwei Signalen darf sich auch immer nur ein Zug auf der Strecke befinden.

Fahrdienstleiter müssen ihren Bezirk sehr gut kennen, deswegen sind vorübergehende Vertretungen von außerhalb kaum möglich. Die Stellwerkstechnik reicht von mechanischen und elektromechanischen Stellwerken über Relaisstellwerke bis hin zu hochmodernen elektronischen Stellwerken.

Und nach der Ausbildung?

Nico wird einer von rund 150 Fahrdienstleitern im Regionalnetz Oberpfalz mit 31 besetzten Stellwerken werden. 39 Stunden, auch im Schichtdienst, wird er ab dem nächsten Jahr arbeiten müssen.

Der Verdienst liegt nach Ausbildungsende zwischen 33 000 und 50 000 Euro pro Jahr, einschließlich Zulagen und Weihnachtsgeld.

Neben der klassischen dualen Ausbildung, wie Nico sie absolviert, gibt es daneben auch noch eine „Funktionsausbildung für Quereinsteiger“, die bereits über eine technische Berufsausbildung verfügen.

Vier Züge, jeder von einer anderen Eisenbahngesellschaft, befinden sich hinter Nico auf dem Bahnhof. Bild: sbü